
Das Förderprogramm „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ verfolgt einen sozialräumlichen Ansatz und hat unter anderem das Ziel, die Beteiligung von betroffenen und/oder engagierten Bürgerinnen und Bürgern an kommunalen Entscheidungen zu stärken. Aus diesem Grund werden die Mikroprojekte nicht alleine von der Politik oder der Kommunalverwaltung ausgewählt, sondern in einem Begleitausschuss von Vertreterinnen und Vertretern aller relevanten Akteure im Programmgebiet. Somit trifft der Begleitausschuss die Förderentscheidungen über die eingereichten Mikroprojekte anhand der vorgegebenen Projekttypen und des im Lokalen Aktionsplan beschriebenen Handlungskonzeptes und begleitet diese während ihrer Umsetzung.
Der Begleitausschuss in Völklingen wurde in der Sitzung des Stadtteilforums Wehrden am 28. Oktober 2003 gegründet. Er bestand damals aus zehn Personen (fünf Frauen und fünf Männer). Im Einzelnen wirkten Zielgruppenvertreter/innen, freie Träger, Bewohner/innen des Fördergebietes „Unteres Wehrden“ sowie eine Vertreterin des Fachamtes und eine Vertreterin der Politik im Ausschuss mit.
Das erste Treffen der Förderperiode 2003/2004, bei dem die ersten drei Projekte auf den Weg gebracht wurden, fand am 7. Januar 2004 statt. In dieser Sitzung wurde auch eine Geschäftsordnung verabschiedet, in der u. a. Beschlussfähigkeit und Abstimmungsverfahren geregelt wurden. Darin heißt es: „Der Begleitausschuss trifft seine Entscheidungen im Konsens. Sollte ein Konsens nicht herstellbar sein, so entscheidet der Begleitausschuss mit absoluter Mehrheit der anwesenden Mitglieder.“ Es spricht für das Engagement und die Qualität des Ausschusses, dass tatsächlich alle Entscheidungen während der gesamten Programmlaufzeit für oder auch gegen einen Projektantrag einstimmig beschlossen wurden.
Nach Erweiterung des Fördergebiets auf die Völklinger Innenstadt
im Mai 2004 konnte der Ausschuss in der 2. Förderperiode um zwei Bewohner
(ein Mann und eine Frau) aus diesem Gebiet erweitert werden. Mit Beginn
der 5. Förderperiode (ab Sommer 2007) nahm der zwischenzeitlich eingestellte
Stadtteilmanager der Stadt Völklingen (im Rahmen des Programms „Soziale
Stadt“) an den Ausschuss-Sitzungen kontinuierlich teil und brachte
seine Fachkompetenz ein. Außerdem konnte dadurch eine enge Anknüpfung
an die Planungen und Aktivitäten der Stadtteilforen (Wehrden und Innenstadt)
hergestellt werden.
Gegen Ende der letzten Förderperiode bat die Koordinatorin den Ausschuss um eine Einschätzung der bisher geleisteten Arbeit. Gefragt wurde nach der Zusammenarbeit, nach Hindernissen und evtl. fehlender Unterstützung, nach den durchgeführten Projekten bezüglich deren Nachhaltigkeit und nach ihrer Einschätzung der Sinnhaftigkeit des Programms insgesamt.
Von allen Beteiligten wurde vor allem die gute Zusammenarbeit im Ausschuss betont. Positiv hervorgehoben wurde dabei insbesondere der Erfahrungsaustausch mit den Mikroprojektträgern, der einerseits zum besseren Verständnis für die Problemfelder im Stadtteil und andererseits zum Abbau von Vorurteilen beigetragen habe. Ebenfalls positiv bewertet wurde das strikte Abrechnungsverfahren der Fördermittel, das eine genau begründbare Kalkulation und inhaltliche Konzeption der Projekte voraussetzte, die von den Ausschussmitgliedern nachvollzogen werden konnte.
Nicht ganz so positiv wurde die „Außenwirkung“ des Programms bzw. der Projekte eingeschätzt. Man hätte sich mehr Beachtung in der Öffentlichkeit und eine stärkere Unterstützung durch das Ämternetzwerk und andere Akteure im Programmgebiet gewünscht.
Weil es in den ersten Förderperioden besonders schwierig war, Antragsteller bzw. Träger im Fördergebiet Innenstadt zu motivieren, wurde die Frage nach den Gründen für diese Zurückhaltung diskutiert. Man kam zu dem Schluss, dass bei kleineren Trägern Vorbehalte gegenüber der Antragsstellung (Abrechnungsverfahren / Vorfinanzierung) bestanden und Ängste vor dem Scheitern eines Projektes nicht genügend ausgeräumt werden konnten.
Eine Nachhaltigkeit des Programms „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ wurde zwar in Teilen gesehen, aber auf das Fördergebiet Wehrden beschränkt. Die Frage, ob das Programm selbst aus Sicht des Ausschusses sinnvoll gewesen sei, wurde eindeutig positiv beantwortet. Alle Mitglieder äußerten ihre grundsätzliche Bereitschaft, im Falle einer Fortführung weiter mitzuarbeiten. Sie sind überzeugt davon, dass man mit bis zu 10.000 Euro „schon etwas Sinnvolles anfangen kann.“
In der gesamten Programmlaufzeit traf sich der Ausschuss 19mal. Er beriet und genehmigte dabei insgesamt 36 Projekte mit einer Fördersumme von ca. 184.000 Euro.
Die Mitglieder des Begleitausschusses haben damit Verantwortung für die Entwicklung in ihrem Stadtteil übernommen. Sie haben sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagiert und waren bereit, Neues zu lernen und auszuprobieren. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung.
Folgende Personen haben während der Programmlaufzeit im Begleitausschuss
mitgearbeitet:
Axel Baum
(stellv. Behinderten-beauftragter / Zielgruppenvertreter
Julia Bellion
(CDU-Stadtratsfraktion / Politikerin)
Katharina Brückmann
(Koordinatorin / Stadt Völklingen)
Linda Cacamo
(Bewohnerin des Fördergebiets Innenstadt)
Dr. Andrea Chlench
(Stadtplanung)
Adem Cokal
(Bewohner des Fördergebietes Wehrden; bis 30. Juni 2004)
Werner Gebhardt
(Sportverein / Bewohner des Fördergebiets Innenstadt; ab
März 2006)
Manfred Görgen
(Stadtteilforum Soziale Stadt /
Zielgruppenvertreter)
Hans-Werner Haffner
(ARGE Völklingen; seit April 2007)
Anne Herzhauser
(Kassiopeia e.V. / Bewohnerin des Fördergebiets)
Peter Hoffmann
(Stadtteilmanager Soziale Stadt;
ab April 2007)
Heinz Konz
(Stadtteilforum Soziale Stadt /
Bewohner des Fördergebiets)
Hanne Kraus
(Baris e.V. /
Freie Träger)
Uschi Malter
(stellv. Kinder- und Jugendbeauftragte / Zielgruppenvertreterin)
Kuno Müller
(Presbyter der Ev.
Auferstehungskirchen-gemeinde; ab 22. März 2006)
Eckhardt Rothhaar
(Stadtteilforum Soziale Stadt /
Zielgruppenvertreter)
Inge Wiehle
(Pfarrerin der Ev. Auferstehungs-
kirchengemeinde; bis 22. März 2006)